Baptisten


Baptisten
Baptịsten
 
[englisch; von griechisch baptiste̅́s »Täufer«], die Mitglieder der größten protestantischen Freikirche. Die Baptisten üben die Erwachsenentaufe, weil ihrer Auffassung nach nur der bewusst an Christus Glaubende die Taufe empfangen sollte; getauft wird meist durch Untertauchen (Immersionstaufe). Die Baptisten treten für die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat ein und lehnen ebenso eine kirchliche Hierarchie ab. Die Gemeinden sind selbstständig, arbeiten aber in Unionen und Bünden zusammen Der Gottesdienst besteht in Predigt, freiem Gesang und Gebet ohne liturgischer Ordnung. Ein einheitliches baptistisches Glaubensbekenntnis gibt es nicht; die Bibel, die jeder Gläubige unter Leitung des Heiligen Geistes auslegen kann, gilt als alleinige Richtschnur für Glaube, Gemeindeordnung und Leben. Die Gotteshäuser sind ohne Schmuck, in ihnen stehen nur der Abendmahlstisch, die Kanzel und ein großes Taufbassin. - Der Baptismus hat seine Wurzeln im englischen Independentismus (Kongregationalismus). Die ersten Gemeinden entstanden 1609 im Amsterdamer Exil unter Führung von John Smyth (✝ 1612) und Thomas Helwys (✝ 1616; General Baptists) und 1640 in London (Particular Baptists, da sie die kalvinistische Prädestinationslehre übernahmen). Nach längerer Verfolgung wurden sie mit der Toleranzakte unter Wilhelm III. anerkannt, jedoch standen ihnen erst 1829 die staatlichen Ämter offen. - Seit 1891 besteht in Großbritannien eine Union zwischen den General und den Particular Baptists (Baptist Union of Great Britain and Ireland); ihr gehören heute (2001) über 150 000 Baptisten an.
 
In Amerika gründete der aus England eingewanderte R. Williams (Mitbegründer des Staates Rhode Island) 1639 die erste Baptistengemeinde; mit der Erweckungsbewegung (J. Edwards) breiteten sich die Baptisten in den USA aus. Sie wirkten u. a. für Religionsfreiheit, Beseitigung des Sklavenhandels, für äußere und innere Mission und Bibelverbreitung. Unterschiedliche Auffassungen über Mission, Abendmahlsgemeinschaft mit anderen Kirchengemeinschaften sowie ethnische Fragen führten zur Entstehung von über 30 Gruppen; die größten sind die theologisch konservativen Südlichen Baptisten (Southern Baptist Convention) mit rd. 15,6 Mio. Mitgliedern, die liberaleren Nördlichen Baptisten (American Baptist Churches in the USA) mit rd. 1,5 Mio. Mitgliedern und der von Schwarzamerikanern gegründete Baptistenbund (National Baptist Convention of the USA) mit rd. 8,2 Mio. Mitgliedern. Mit insgesamt rd. 38 Mio. Mitgliedern sind die Baptisten die zahlenmäßig stärkste evangelische Gemeinschaft in den USA.
 
In Deutschland gründete J. G. Oncken 1834 die erste Gemeinde in Hamburg; neben ihm wirkte Gottfried Wilhelm Lehmann (* 1799, ✝1882). 1849 entstand der »Bund der Baptistengemeinden in Deutschland«. 1941 erfolgte mit dem »Bund freikirchlicher Christen« (Christliche Versammlung) der Zusammenschluss zum »Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland«. Er hat heute rd. 87 000 Mitglieder in 900 Gemeinden und unterhält zahlreiche soziale und missionarische Einrichtungen. Sitz des Bundes ist Bad Homburg von der Höhe.
 
In Russland entstanden, von Deutschland ausgehend, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Baptistengemeinden. 1944 schlossen sich die Baptisten mit den Evangeliumschristen zusammen und wurden als Freikirche unter einem »Allunionsrat der Evangeliumschristenbaptisten« staatlich anerkannt; mit (1985) nach eigenen Angaben über 500 000 registrierten und zahlreichen »illegalen« Mitgliedern bildete sie nach der russisch-orthodoxen Kirche die größte und am stärksten wachsende christliche Religionsgemeinschaft in der Sowjetunion. Nach der politischen Öffnung, besonders aber seit dem Zerfall der UdSSR, wird die Gemeinschaft in vielfältiger Weise durch westeuropäischen und amerikanischen Baptisten unterstützt (u. a. durch Missionare der Southern Baptist Convention); sie ist in Russland und in der Ukraine (insgesamt über 300 000 Baptisten) in einem weiteren starken Wachstum begriffen und unterhält mehrere Bibelschulen.
 
Seit 1905 sind die Bünde und Unionen der Baptisten zusammengeschlossen im »Weltbund der Baptisten« (Baptist World Alliance, Sitz: Washington [D. C.]), der heute rd. 200 000 baptistische Gemeinden weltweit mit rd. 43 Mio. Mitgliedern (getauften Erwachsenen) repräsentiert.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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